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20 MinutenSamstag, 6. Oktober 2001
Zwanzig minuten zeit. Es ist herbst. Die jahreszeit, die mir am meisten gefällt - wenn der wind mit den blättern sein singsang vollführt. Eigentlich ist es zu frisch für ein t-shirt, doch ich will jede regung des windes wahrnehme, jeden noch so winzigen sonnenstrahl aufnehme.

Ich sitze auf «meiner» bank: «In Loving memories of happy times at this, here special place.»

Evan Bruger Donaldson 1933 - 1994

Beängstigend, wie vertraut und zu hause ich mich hier fühle. Kann das fehlen der geliebten US-milchmarke, in supermarkt und dairy gegenüber dem apartments, so etwas wie heimat schaffen? Beängstigend, dass ich das gefühl habe, ich sei erst gestern hier gewesen. Bin ich, ende Mai, erst gar nicht nach Zürich zurückgeflogen? Bin ich, ende Mai, einfach hier geblieben? Ist dieses «hier bleiben» die wahre virtuelle realität?

Die flagge ist allgegenwärtig. Wer wird den menschen sagen, dass es zeit ist, sie wieder zusammen zu rollen? Oder soll sie die wirkung, als symbol der trauer, verlieren, wie die schwarz gekleideten nonnas in Italien? Zum alltäglichen verkommend - durch wind, schnee und regen zerfledert. Doch - wann wird genug getrauert sein?

Es ist leiser als im Mai. Weniger heulende sirenen. Weniger kläffende hupen. Vielleicht will niemand den andern unnötig aufschrecken - aus dessen virtuellen realität herausreissen.

Was für ein herrlicher tag!

Es ist zeit! In zwanzig minuten habe ich mit Laurenz im Columbus Circle abgemacht. Für heute heisst es also auf wiedersehen zu «meiner» bank auf dem hügel beim eingang Central Park 5th Av./79th St. East.

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